Montag, 14. Dezember 2009

Google Analytics verboten - was nun?


Seit der Meldung, dass der Datenschutz in Deutschland sich gegen die Verwendung von Google Analytics ausgesprochen hat, sind viele verunsichert. Schon mehrfach wurde ich von Kunden, Freunden und Bekannten zu diesem Thema befragt: "Muss ich Google Analytics von meiner Seite entfernen? Droht eine Abmahnung oder muss ich gar Strafe zahlen? Gibt es eine Alternative zu Google Analytics?“ Auch eine Umfrage bei Xing hat ergeben, dass die Nutzer nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Bis zu 50.000 € soll es den Webseitenbetreiber kosten, wenn man Google Analytics einsetzt. Geld, das man sinnvoller einsetzen kann...

Natürlich gibt es Alternativen zu Google Analytics, unzählige Webanalyse Tools stehen zur Verfügung. Einige davon sind schlechter und weniger umfangreich, andere bieten aber weitaus mehr. Es gibt kostenlose Webanalyse Tools und welche, für die man bezahlen muss. Wer nur wissen will, wie viele Besucher auf seinen Seiten waren, wie viele und welche Seiten aufgerufen worden sind, der sollte einfach die Webstats von seinem Provider nutzen, Logfile-Analysen mit AWStats betreiben oder sich der Webserver-Analyse mit Piwik bedienen.

Für denjenigen jedoch, der ernsthaft Online Marketing Optimierung betreiben will, kommen diese Tools nicht in Betracht. Für komplexe Online Marketing Fragestellungen (und da reicht auch Google Analytics schon lange nicht mehr aus), ist ein umfangreicher Auswahlprozess notwendig sowie die Bereitschaft, in eine nachhaltige Lösung zu investieren (Sie erinnern sich an die oben erwähnten 50.000 €? Hier sind sie definitiv besser eingesetzt!). In 2008 wurden laut eMarketeer 23 Milliarden US$ für Online-Suchbegriffe und –Werbeanzeigen ausgegeben, aber laut Forrester nur 250 Millionen US$ für Website-Optimierung und Behavioral Targeting. Das heißt, pro US$ 92, die für die Online Besucher Akquise aufgewendet werden, wird nur US$1 für die proaktive Conversion Optimierung genau dieser Besucher ausgegeben! Hier muss ein Umdenken erfolgen – vielleicht gibt ein Verbot von Google Analytics bzw. die zugehörige Diskussion endlich den Anstoß dafür.

Je nach Anforderung kommen verschiedene, kostenpflichtige Tools in Frage: Omniture, Webtrekk, Xiti, Webtrends, Coremetrics und wie sie alle heißen. Welchen Anbieter Sie sich auch anschauen, jeder wird Ihnen sagen, sein Tool erfülle Ihre Anforderungen und sei einfach zu implementieren. Dieses gilt, solange Sie nur die Basiswerte haben wollen, welche die verschiedenen Tools liefern. Sobald aber Ihre eigenen Anforderungen mit einbezogen werden sollen, benötigen Sie eine korrekte Belegung der individuellen Variablen, die bei den besseren Tools in verschiedenem Umfang zur Verfügung stehen.

Hierfür gibt es KEINE Standardlösung, jeder hat seine eigenen Bedürfnisse und Anforderungen. Und genau danach richtet sich die Komplexität bei der Konzeption und der späteren Implementierung. Nur eine saubere Anforderungsaufnahme, eine nachhaltige Konzeption und eine valide Implementierung bieten Gewissheit für eine gute Webanalyse Lösung und die Möglichkeit Optimierungspotentiale zu erkennen. Man muss sich bewusst machen, dass dieses auch Geld kostet. Kein Tool implementiert sich von alleine, auch Google Analytics hat dieses bisher nicht getan. 92 zu 1...

4 Kommentare:

Michael Diederich hat gesagt…

Piwik bietet keine normale Logfile-Analyse sondern sammelt die Informationen mit JavaScript-Tagging. Webalizer ist ein typisches Programm für die Logfile Analyse

An den Bedürfnissen und Anforderungen scheitert es doch häufig. Die Leute entscheiden sich dann für ein Tool nach dem Verschicken vieler Excel-Anforderungen und wenn es dann an das Implementieren geht, wird die Kostenbremse gedrückt und es halbherzig umgesetzt...

Thomas W hat gesagt…

Hallo,

und wo genau steht jetzt, dass Google Analytics verboten ist?
Was ist an den o.g. Tools legaler als an Google Analytics?

Ich hatte zu dem Thema mal ein paar Fakten gesammelt:http://www.werning.com/blog/?p=300

Viele Grüße
Thomas Werning

Matthias Postel hat gesagt…

@Michael: Danke für den Hinweis. Ja, Du hast Recht, haben wir im Eifer des Gefechts übersehen und jetzt korrigiert. Die Kostenbremse ist in der Tat eines der größten Probleme bei der Implementierung. Viele denken, wenn sie erst mal das Tool gekauft haben ist es erledigt. Aber dann fängt die Arbeit erst an...

@Thomas: Noch muss geklärt werden, ob die IP-Adresse überhaupt ein persönliches Datum ist. Trotzdem herrscht eine große Unsicherheit, wie weiter mit Google Analytics verfahren werden soll. Den Datenschützern geht es aus meiner Sicht auch darum, die Macht von Google einzuschränken => "Sie fürchten, Google könnte Profile von Millionen Internetsurfern mit ihren Interessen,... erstellen", (Zeit Online)
Für die Web Analyse ist die IP-Adresse ohnehin nur nebensächlich. Wenn ich die Webdaten mit persönlichen Infos verknüpfen will, gibt es ganz andere Methoden.
Ein Unterschied zwischen GA und den anderen Tools ist zum Beispiel, wem die erhobenen Daten gehören. Des Weiteren speichern einige der genannten Tools die IP-Adresse gar nicht bzw. die IP-Adressen Speicherung lässt sich ohne weiteres ausschalten.

Lukas Oldenburg hat gesagt…

Google Analytics ist wohl noch lange nicht tot. 4 Millionen Website-Betreiber müssen erst mal verklagt werden, und die meisten werden erst mal so weitermachen wie bisher und darauf hoffen, dass sie drum herumkommen.

Und vielleicht findet man ja noch eine Möglichkeit, die datenschutzkonform als auch praktikabel ist. Diesen Vorschlag finde ich z.B. gerade noch machbar: http://www.web-analytics-nutzen.de/web_analytics/2009/11/opt-out-tracking-code.html

Was aber viel problematischer ist als das reine Verbot GA, ist dass es laut Datenschutzbehörde grundsätlich datenschutzwidrig ist, wenn man IP-Adressen seiner Besucher unaufgefordert an Dritte "weitergibt". Das ist aber schon der Fall, wenn man ein YouTube-Video oder GoogleMaps einbindet.

Da die Zukunft des Internets wohl aber gerade so aussieht, dass immer mehr Inhalte auf einer Website eben NICHT vom Site-Betreiber kommen, ist die Forderung der Datenschutzbehörden so mit das Unpraktikabelste, was ich jemals gelesen habe.

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